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Im Alter von 10 Jahren hat sich das Open-Source-Analytics-Tool Piwik in Matomo umbenannt. Kurz darauf verpasste es sich mehrere Updates. Während die ersten Aktualisierungen kaum Veränderungen brachten, war der Sprung auf Version 3.5.x ein wirklich dickes Brett. Neben optischen Auffrischungen und weiteren Details, wurden extrem starke Datenschutzeinstellungen nachgerüstet. Aber was kann das Nischenprodukt Matomo grundsätzlich leisten? Und: lohnt sich eventuell ein Umstieg?

1     Matomo, wer bist du eigentlich?

Matomo ist eine in PHP geschriebene Open-Source-Webanalyse-Anwendung, die man selber hosten und verwalten kann. Auch eine Cloud-Hosting-Variante ist verfügbar. Die aktuellste Version des Tools ist derzeit 3.6.0. Matomo hausiert stark damit, besonders datenschutz- und nutzerfreundlich zu sein, sagt von sich, dass es in Deutschland die am zweithäufigsten genutzte Webanalyse-Anwendung sei und sieht sich als direkte Alternative zu Google Analytics. – Zu allen Punkten und besonders zu letzterem ist meine ehrliche Meinung: „Hm, naja.“ Man vergleicht ja auch nicht einen schnittigen Sportwagen mit einem Trecker. Dennoch haben beide unstrittig ihre Berechtigung. Und so ist Matomo für mich ein wirklich schneller Sportwagen, der… …war nur Spaß, Matomo ist natürlich der Trecker! Ein grundsolides Arbeitstier ohne viel Schnickschnack, das aber Stärken dort hat, wo andere nicht weiterkommen.

2     Im Matomo-Maschinenraum

"Do not track"-Einstellungen in Matomo

„Do not track“-Einstellungen in Matomo

Ich habe Matomo in vielen Projekten und auch auf dieser Seite nebenher laufen. Hauptsächlich um Nutzer zu tracken, die AdBlocker verwenden. So viel also zu den hoch gelobten Privatsphäre-Aspekten ¯\_(ツ)_/¯ Die Möglichkeiten des Selber-Hostens und des anpassbaren Tracking-Scripts legen es aber auch wirklich nahe, es zu diesem Zweck zu verwenden. Nichtsdestotrotz stimmt es gleichzeitig, dass Matomo sehr privatsphärefreundlich ist. Zum einen bleiben die Daten auf dem eigenen Server und man behält die Hoheit über diese und zum anderen gibt es sehr viele Einstellungen, die die Website-Nutzer schützen.

Matomo ist schlank, fast minimalistisch und auf das Wesentliche reduziert. Das klingt zuerst wie ein Nachteil. Aber im Angesicht von teilweise völlig zerschossenen Google Analytics-Setups, verfälschten Datenansichten und Reportings ohne jeden Sinn, kann Weniger tatsächlich Mehr sein, insbesondere bei kleineren Projekten.

2.1     Implementierung & Einrichtung

Matomo wird in der Regel selbstgehostet. Das wird der Hauptgrund sein, warum viele es einsetzen. Die einen, um ihre Daten in einem sicheren Silo zu haben und um sie nicht mit Google et cetera teilen zu müssen, die anderen aufgrund der vielen Einstellmöglichkeiten und manche eventuell auch, um damit Adblocker zu umgehen.

Für das Selbsthosting benötigt ihr natürlich Webspace und eine Datenbank. Außerdem solltet ihr root-Zugriff auf den Server haben. Auf dem Shared Space eines einfachen Web-Hostinganbieters läuft es zwar auch, aber die eine oder andere Einstellung ist vorzunehmen, um die Performance zu verbessern und um es auch bei höherem Besucheraufkommen und größeren Berichten ausreichend schnell zu halten. Weiterhin sollte bei euch ausreichend Speicherplatz vorhanden sein. – Wenn die zu trackende Seite jedoch ein Trafficvolumen ungefähr wie diese Seite hier hat, dann ist alles egal, dann tut es auch ein Raspberry Pi (☞゚ヮ゚)☞

Es gibt keinen Matomo Tagmanager. Es gibt inzwischen einen Matomo Tag Manager. Der ist sehr ambitioniert, jedoch nicht vollständig ausgereift. Aber selbst wenn er komplett nutzbar wäre, würde ich ihn noch nicht einsetzen. Auch Lösungen von Drittanbietern, wie GTM oder Tealium, nutze ich nicht für Matomo. Schuld sind die AdBlocker. Manche von denen sind so streng, dass sie nahezu jeden Tag Manager pauschal und komplett aussperren. In solchen Fällen ist dann auch egal, dass Matomo theoretisch mit angepasstem Tracking-Request rausgeht – das Tag wird gar nicht erst gefeuert. Daher bevorzuge ich hier die Hartimplementierung.

2.2     Tool-Oberfläche & Tracking

Das Spannende an einem Analytics-Tool ist die Nutzeroberfläche. Hier ist bei Matomo toll, dass es so minimalistisch ist und niemanden verwirrt. Es ist gut aufgebaut, reduziert und auch ein bißchen niedlich. Einzelne Nutzer werden auf Kärtchen mit ihren Interaktionen dargestellt und kleine Piktogramme visualisieren Sprache, Aktionen, Trafficquellen und das allgemeine Verhalten. Das ist nichts grundsätzlich Neues und entspricht grob dem Nutzerexplorer bei GA, aber die Art der Darstellung ist ganz nett und hilft, ein qualitatives Bild und Verständnis der Nutzer zu bekommen. Der Nachteil: bei höherem Trafficaufkommen wird es etwas unübersichtlicher.

Nutzerkarte in Matomo

Vergrößerte Nutzerkarte in Matomo

2.2.1     Kosten

Nichts ist wirklich kostenlos. Matomo kommt zwar in der Basisversion gratis daher, aber wenn ihr über die Nutzeroberfläche ernsthafte Auswertungen fahren möchtet, müsst ihr zahlen. Die Basisversion ist nämlich so „Basis“, dass sie selbst für ganz rudimentäre Fragestellungen nicht nutzbar ist. Dafür will Matomo um kostenpflichtige Plugins erweitert werden. Selbst so bodenständiges, wie Custom-Reports, Formularanalysen, Zielvorhabentrichter, Video-Analysen oder Verhaltensflüsse, sind ohne entsprechende Premium-Plugins nicht möglich. – Hier muss man aber zugutehalten, dass die Preise sehr günstig sind. Selbst mit allen notwendigen Plugins und ein paar Nutzerzugängen, werdet ihr unter 8.000€ im Jahr bleiben. Damit ist Matomo ganze Galaxien günstiger als beispielsweise Adobe, Webtrekk oder Google Analytics 360.

2.2.2     Nutzer-Oberfläche

Die Nutzeroberfläche von Matomo ist ein wenig einschränkend. Vieles ist leider nicht möglich. Das fängt bereits beim Dashboard an: Man kann zwar mehrspaltige Layouts auswählen, aber die Widgets, die man dann in die Spalten quetscht, werden teilweise beschnitten und schaffen es nicht immer, sich responsive an die Spaltenbreite anzupassen. Dadurch wirkt die Ansicht zerschossen. Hier konnte das letzte Update in weiten Teilen Abhilfe schaffen. Es gibt zwar noch den ein oder anderen Querschläger, aber die meisten Elemente passen sich inzwischen gut an verschiedene Breiten an.

Leider ist auch in Version 3.6.x weiterhin problematisch, dass sich Widgettitel nicht verändern lassen. Drei Liniendiagramme untereinander, die einmal Visits, Absprungrate und durchschnittliche Seitenaufrufe zeigen, haben alle den unveränderlichen Titel „Graph der letzten Besuche“. Das kann verwirrend sein. Auch das Anpassen von Farben in den Graphen ist nicht möglich, was die Unterscheidbarkeit insgesamt erschwert. Zudem sind die Achsenskalierungen unveränderlich und Segmente lassen sich nicht auf einzelne Widgets anwenden, sondern immer nur auf das gesamte Dashboard. Das ist alles kein Weltuntergang, kann aber auf Dauer stören.

Ein Matomo Dashboard

Matomo Dashboard: Seit Version 3.5.0 werden die Widgets inzwischen weniger stark beschnitten. Widgettitel, -farben, und -achsenskalierungen sind jedoch noch immer nicht einfach verstellbar.

Insgesamt lässt Matomo keine mehrdimensionalen Drilldowns in den Reports zu. Dafür braucht ihr entweder die kostenpflichtigen Plugins oder ihr zapft direkt die Datenbank an. Im Interface sind die Reports teilweise leider merkwürdig eingeschränkt. Beispielsweise lässt sich die Conversion-Anzahl in der Visualisierung nur als Summe aller Conversions ausgeben. Ein Diagramm, das die absolute Conversion-Anzahl zeigt, in dem man dann verschiedene Conversions als einzelne Graphen darstellt, ist nicht möglich. Gerade in Projekten mit vielen Micro-Conversions ist eine aufsummierte Gesamtanzahl jedoch wenig sinnvoll. – Aber nicht nur bei den Visualisierungen ist das Tool wenig flexibel. Auch bei den Tabellen in den Reports gibt es Restriktionen. Das spaltenweise Hinzufügen beliebiger Metriken ist einfach nicht möglich. Dafür braucht es dann direkt Custom-Reports. Das macht die Oberfläche sehr sperrig.

Hintergrund für die vielen Einschränkungen wird wahrscheinlich sein, dass Matomo seine Premium-Plugins verkaufen möchte. Die müssen ja auch ihre Berechtigung haben und irgendwie muss das Projekt schließlich ein wenig Geld verdienen.

2.2.3     Features

Matomo bietet nicht nur Einschränkungen. Es hat auch einige sehr spannende Features und das sogar in der Basisversion. Der allergrößte zuerst: Ihr habt vollen Zugriff auf die Rohdaten und könnt sie direkt per SQL oder per API abfragen. Wer ausreichend fit ist, kann darüber tonnenweise Queries stellen und bekommt jetzt wahrscheinlich direkt feuchte Augen. Die über API abgefragten Daten lassen sich in fast jedes erdenkliche Format exportieren: xml, json, csv, tsv, html, php, rss. Damit lässt sich einiges anstellen!

Mehrfacherfüllung von Zielvorhaben in Matomo

Mehrfacherfüllung von Zielvorhaben in Matomo

Ziemlich nett ist auch, dass Matomo ohne Sampling arbeitet. – Und ebenfalls ist toll, dass man bei der Einrichtung von Zielvorhaben einfach festlegen kann, ob Mehrfacherfüllung in einer Session möglich ist oder nicht. Das geht bei GA ohne advanced e-commerce nicht ohne Weiteres. Apropos Zielvorhaben und Google: In Matomo könnt ihr unendlich viele Zielvorhaben einrichten. 

Auch in weiteren Bereichen, in denen andere Tools Limits bieten, werdet ihr diese bei Matomo nicht finden. Es gibt kein begrenztes Server-Call-Volumen, unbegrenzt viele E-Commerce-Transaktionen pro Tag und alle Daten können – wenn gewünscht – unendlich lange gespeichert werden. Bis der Speicher überquillt – Das passiert allerdings schneller als ihr denkt 😉

Neben den fehlenden Beschränkungen, bietet Matomo viele nützliche Einstellmöglichkeiten. Nochmal zurück zum Beispiel Google: Dort wird standardmäßig immer ein neuer Visit gezählt, sobald eine neue Einstiegsquelle erkannt wird. Bei anderen Tools – wie beispielsweise Webtrekk – ist das nicht der Fall. Das ist die Ursache für einen regelrechten Glaubenskrieg zwischen den jeweiligen Toolanhängern. Aber keine Sorge, mit Matomo könntet ihr euch beiden Seiten anschließen. Die config.ini.php lässt sich nämlich nach Belieben anpassen. Mit nur einer Zeile wird das gewünschte Verhalten festgelegt:

create_new_visit_when_website_referrer_changes=0

Gleiches gilt natürlich für:

create_new_visit_when_campaign_changes=0

Das ist ziemlich flexibel und macht Spaß.

Außerdem kann Matomo einfach die Verweildauer auf Exit-Pages messen oder die Zeit von Sessions mit nur einem Pageview. Der Schlüssel dazu ist Heartbeat-Measurement:

_paq.push(['enableHeartBeatTimer', 15]);

Mit dieser schlanken Zeile wird in dem angegebenen Zeitintervall kontinuierlich ein non-interactive Event an Matomo gesendet. Damit kann wiederum die Zeit gemessen werden, ohne die Bouncerate zu beeinflussen. Das ist keine absolute Weltneuheit, aber es kostenlos zur Verfügung zu haben, vor dem Hintergrund, niemals ein hart gesetztes Server-Call-Limit zu treffen, ist eine feine Sache. Falls ihr richtig übertreiben wollt und über die Ressourcen verfügt, könnt ihr den Intervall auch anpassen und alle 3 Sekunden auf Matomo feuern.

Zuletzt muss als Feature hervorgehoben werden, dass Matomo extrem ordentlich dokumentiert ist und dass es schnell zu verstehen ist – auch für Einsteiger. Die Flexibilität, was Integrationen angeht, ist ein weiterer Pluspunkt. Zwar kommt es nicht an die Tool-Anbindungs-Möglichkeiten von GA heran, aber es ist schön, dass Matomo neben den eigenen Linkparametern auch UTM-Parameter out-of-the-box unterstützt. So kann problemlos die Autotagging-Funktion von Google Ads genutzt werden, ohne dass großartige Einstellungen notwendig werden.

2.2.4     Eigenarten

Natürlich hat Matomo auch Eigenarten. Und das über die künstlichen Einschränkungen im Nutzerumfang, von denen ihr euch mit Premium-Plugins freikaufen könnt, hinaus. Beispielsweise können Zielvorhaben nur auf Basis von Seitenansichten oder Events eingerichtet werden. Das ist unnötig unflexibel.

Möglichkeiten der Zielvorhabeneinrichtung

Begrenzte Möglichkeiten der Zielvorhabeneinrichtung

Ich richte gerne Zielvorhaben ein, wie „30+ Sekunden auf Seite“. Normalerweise benötigt man dafür nur die Zeit zwischen einem und dem nachfolgenden Pageview (oder eben zwischen Pageview und einem Event). Auf Basis dieser Zeiteinheit lässt sich dann meist das Ziel einrichten. Das kriegen nahezu alle Tools hin, Matomo aber nicht. Deshalb muss ich ein Event senden mit:

<!-- matomo timer --> 
 <script type="text/javascript">
   window.setTimeout(pagetimer, 30000);
 
   function pagetimer() {
     _paq.push(['trackEvent', 'Verhalten', '30sec', 'Aufenthalt']);
   }
 </script>
<!-- End matomo timer -->

Auf diesem Event kann ich mein Ziel einrichten. Jetzt kommt aber das Folgeproblem: bei Matomo ist es nämlich so, dass alles als Aktion zählt. Ein Pageview ist eine Aktion und jedes Event ist auch immer eine Aktion. Etwas, wie ein Non-Interactive-Event, gibt es in diesem Zusammenhang einfach nicht. Das führt einerseits zu Unübersichtlichkeit und wirkt sich andererseits auf die Bouncerate aus. Bei meinem 30sec-Event ließe sich das ja noch verkraften, auch wenn ich es doof finde, die Bouncerate umzudefinieren. Aber was ist allgemein mit Events, die Fehlermeldungen oder Ladezeiten übergeben? Aus meiner Sicht ist es einfach ein Fehler, keine Non-Interactive-Events anzubieten. Ganz besonders, wenn es im Rahmen des Heartbeat-Measurement grundsätzlich möglich scheint. – Oder habe ich die richtige Einstellung einfach bisher nicht gefunden? Weiß hier jemand mehr als ich?

3     Datenschutz & Privatsphäre

Man kann Matomo nicht reviewen, ohne über Datenschutz zu sprechen. Schließlich sind Nutzerprivatsphäre und Sicherheit die Aspekte, die sich das Tool ganz besonders groß auf die Fahnen schreibt. Völlig zu recht. Das, was Matomo hier an Möglichkeiten bietet, ist gigantisch: Individuell anpassbare Opt-Out-Möglichkeiten, Anonymisierung der IP-Oktette, regelbasiertes Löschen alter Datensätze/Berichte und das Respektieren der browserseitigen „Do-not-track“-Einstellung sind riesige Pluspunkte. – Wenn die Dinge denn aktiviert werden. Was ihr auch unbedingt tun solltet, alleine um gesetzlichen Vorgaben gerecht zu werden.

Die oben genannten Punkte sind aber noch nicht alles. Um absolute GDPR-Compliance herzustellen, hat Matomo seit dem Update auf Version 3.5.x nochmal einen drauf gelegt und weitere Privatsphäre-Einstellungen nachgeliefert. Nutzer-IDs lassen sich nun automatisch pseudonymisieren (mittels Hash-Funktion), es gibt eine hauseigene anpassbare Ask-for-Consent-Funktion und ein großartiges GDPR-Tool. Mit diesem Tool könnt ihr nach Nutzern suchen, die bestimmte Merkmale erfüllen. Anschießend werden euch alle Einträge und vorhandenen Daten ausgegeben. So könnt ihr einem Anfrager jederzeit Auskunft erteilt werden, welche Daten zu ihm vorliegen. Über das gleiche Tool lassen sich die gefundenen Daten auch sofort löschen und aus der Datenbank entfernen.

Das Matomo GDPR Lösch-Tool

Das Matomo GDPR-Tool bietet ausgezeichnete Such- und Lösch-Möglichkeiten.

4     Fazit

Die Matomo-Oberfläche ist in der Gratis-Basisversion nur sehr eingeschränkt nutzbar. Die Premium-Plugins heben sie allerdings auf ein neues Level – und das zu einem sehr guten Preis. Allerdings hat Matomo auch in der uneingeschränkten Bezahlversion mit einigen Problemen und Eigenarten zu kämpfen. Zudem ist es ein wenig komplizierter, das Tool so zu skalieren, dass es auch bei höheren Trafficaufkommen ausreichend schnell bleibt.

Die Vorteile von Matomo sind klar: Viele Einstellmöglichkeiten, voller Zugriff auf Rohdaten, kein Sampling, kein Server-Call-Limit, Selbsthosting, anpassbares Trackingscript, Sicherheit und starke Datenschutzeinstellungen. Gerade die letztgenannten Punkte sind seit Version 3.5.x ein besonderer Power-Trumpf, der dem Tool vor dem Hintergrund der DSGVO noch ein paar Nutzer mehr einbringen wird. Auf der anderen Seite wird Matomo auch die begeistern, die AdBlocker umgehen möchten oder die, die einfach etwas Neues suchen. Insgesamt hat das Tool mächtig etwas unter der Haube und ist dem Wettbewerb in einigen Teilen weit voraus. Das erkennt man von außen allerdings nicht wirklich und so richtig rund und ohne Zicken läuft es leider auch nicht.

Lohnen wird sich Matomo insgesamt für Projekte, die größer sind, denen es gelingt, das Tool zu skalieren und die gern direkt in der Datenbank arbeiten, um individuelle Fragestellungen zu beantworten. Eben solche Projekte, die wissen, was sie an den Vorteilen und Einstellmöglichkeiten haben und die zudem die Kapazitäten besitzen, die Potenziale und fehlenden Limitierungen auch nutzen zu können. Auf der anderen Seite eignet sich Matomo ebenfalls für Kontexte, die sehr klein sind und die mit einer Nutzeroberfläche arbeiten wollen, die auf das Wesentliche reduziert, einsteigerfreundlich und nicht zu überfordernd ist. – Das Problem: Der Großteil der Trackinganforderungen kommt aus dem Bereich genau zwischen diesen beiden Extremen und möchte viele einfache Integrationen und eine flexible Nutzeroberfläche mit bunten Knöpfen. Und in diesem Feld gibt es derzeit wahrscheinlich stärkere Lösungen.

Zudem kommt erschwerend hinzu, dass die Einrichtung von Matomo ein klein wenig Technik- und Datenbanken-Know-How benötigt. Es ist zwar kein Hexenwerk, aber eben doch etwas mehr als das einfache Copy&Paste eines Trackingscripts. Dennoch lohnt es, sich mit dem Tool auseinanderzusetzen. Die vielen Anpassungsmöglichkeiten machen einfach Spaß. Außerdem wird es, befeuert durch die wahrscheinlich intensiver werdenden Datenschutzdebatten, zukünftig noch mehr Aufmerksamkeit genießen. Und wenn weiterhin starke Updates nachgeliefert werden, wird sich Matomo schnell vom unterschätzten kleinen Entlein zum Analytics-Schwan entwickeln. Dann würde es mittel- oder langfristig eine echte Alternative. – Bis dahin behalte ich es als Zweitinstallation.